TAG DER RHEINHESSISCHEN LANDFRAUEN

Auftaktveranstaltung der Agrartage 2019 in Nieder-Olm, ausgerichtet von den KreislandFrauenverbänden Mainz und Bingen

v.l. Uta Schmitt, Erberhard Hartelt, Ursula Braunewell, Michael Lipps, dorothes Schäfer, Stephanie Eckert, Dierter Kuhl, Gerlinde Gemünde

Nieder-Olm. Landwirte und Konsumenten, Erzeuger und Verbraucher – dieses Verhältnis ist weiterhin angespannt, wie man jüngst bei den Demonstrationen im Umfeld der Grünen Woche wieder erleben konnte. Die LandFrauen präsentierten sich beim Tag der Rheinhessischen LandFrauen im Rahmen der Agrartage in Nieder-Olm als mögliche Vermittler. „Der Erzeuger-Verbraucher-Dialog wird bei uns gelebt“, hob Ursula Braunewell, die Vorsitzende des Land Frauen Verbandes Rheinhessen, hervor.

Der Auftakt der 70. Agrartage, zu denen wieder an die 15.000 Besucher erwartet werden, wird traditionell von den LandFrauen gestaltet. Ebenso typisch ist, dass sich der Großteil der regionalen Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie allerlei Verbandsfunktionäre ins Publikum setzen, um den auf der Bühne vorgetragenen Thesen zu lauschen. Daniela Schmitt, FDP-Staatssekretärin im Rheinland-Pfälzischen Wirtschaftsministerium, beispielsweise griff das 100. Jubiläum der Einführung des Frauenwahlrechts auf. Mehr Frauen in den Parlamenten, in politischen Ämtern, in Schlüsselpositionen der Wirtschaft täten gut. „Eine Gesellschaft, in der Frauen und Männer leben, sollte auch von Frauen und Männern gestaltet werden“, sagte Schmitt, „eine Gesellschaft, die Frauen benachteiligt, schadet sich selbst.“

Braunewell ging noch einen Schritt weiter, als sie Forderungen aus der Politik nach Quotenregelungen und Wahlrechtsänderungen aufgriff, um einen höheren Frauenanteil in den Parlamenten zu erwirken. Ihr Plädoyer: Man – und insbesondere Frau – solle bei der Kommunalwahl im Mai unbedingt vom aktiven und gerne auch passiven Wahlrecht Gebrauch machen. Fehlende Gleichwertigkeit sieht die Verbandschefin bei den Lebensverhältnissen zwischen Stadt und Land: „Da ist noch viel zu tun.“ Die Digitalisierung beispielsweise erreiche die ländlichen Regionen generell zuletzt, und das bringe Benachteiligungen im Erwerb von Wissen und bei der Chance auf Vermarktung mit sich.

Auch für eine stärkere Gründungsaktivität durch Frauen setzte sich Braunewell ein. Frauen würden vor höheren Hürden stehen, wenn es um die Gründung eines Betriebs geht, sie würden zaghafter kalkulieren und hätten es schwerer Gelder zu generieren. Darauf müsse aufmerksam gemacht werden. Die Mainz-Binger Landrätin Dorothea Schäfer kündigte an, dass die Wirtschaftsförderung das Thema Gründung durch Frauen besonders in den Blick nehmen wolle.

Michael Lipps, Dienststelleneiter am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum, einem Mitveranstalter der Agrartage, möchte die Vernetzung mit den LandFrauen gern weiter verbessern. Bisher funktioniere diese im Bereich der Aus- und Fortbildung in den Feldern Ernährungsberatung oder Hauswirtschaft schon sehr gut, doch es gebe wesentlich mehr Schnittmengen. Auch das Thema Entwicklung des ländlichen Raumes etwa sei bei den LandFrauen und dem DLR gleichermaßen gut aufgehoben.

Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, sprach von Fehlentwicklungen und einem falschen Tonfall in Debatten, die das Verhältnis von Erzeugern und Verbrauchern angehen. Beim Thema Biodiversität beispielsweise würden kritische Stimmen häufig unterschlagen, was die Landwirte alles an Programmen und Aktivitäten aufgelegt haben. „Man spricht sehr viel über Bauern und zu wenig mit uns“, sagte Hartelt mit Blick auf die Demonstrationen bei der Grünen Woche. Es herrsche gegenseitiges Unverständnis. Miteinander zu reden sei wichtig, auf allen Ebenen. Damit ließe sich den „egoistischen Tendenzen“, die Hartelt auch bei politischen Debatten und Strömungen zusehends feststellt, entgegen wirken.

Geredet wurde nach der Kaffeepause, und zwar von den „JungenLandFrauen“, die ein Zwischenspiel aufgeführt hatten. „LandFrauen – die kochen und backen doch nur!“, lautete die provokante These zum Auftakt. Von wegen! Was sonst noch alles gemacht wird, wurde vor Augen geführt – gipfelnd in einem Video, das viele junge, fröhliche (Land-)Frauen auf einer Bootsparty zeigt. Es lohnt sich mitzumachen, lautet die Botschaft. Es macht Spaß, und man kann was bewirken. Viel bewirkt haben Petra Bentz (Sprendlingen), Petra Fuchs-Binzel (Selzen) und Silvia Lufft (Badenheim-Pleitersheim), die für mindestens acht Jahre Vorstandsarbeit mit Ehrennadeln ausgezeichnet worden sind.

Wie man einen zumindest aus Sicht der Wildbienen ausgezeichneten Garten arrangiert, führte die Gartenexpertin Heike Boomgaarden vor. Überhaupt nicht empfehlenswert seien die Steinwüsten, die sich in immer mehr vermeintlich modern gestalteten Vorgärten finden. „Steinreich statt artenreich“, laute hier das Motto – und letzteres sei ausdrücklich besser. Boomgaarden riet zur kontrollierten Unordnung, zu möglichst vielen blühenden Pflanzen das gesamte Jahr über. Auch eine Kräuterspirale würde den heimischen Arten reichlich Nahrung bieten. „Die Welt ist leiser geworden“, hat die Referentin beobachtet. Weniger Zwitschern, weniger Summen. „Schaffen Sie Oasen“, war die Botschaft.

Torben Schröder

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