Selbstbewusst gesellschaftspolitische Verantwortung tragen

Tag der Rheinhessischen LandFrauen: LandFrauen diskutieren über Chancengleichheit und erfolgreiche Lobbyarbeit

Daniela Ruhe, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen LandFrauenverbandes e.V.

So viel Lob auf einmal muss ja schon fast verlegen machen. „Legendär“ findet Otto Schätzel vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Oppenheim den „Tag der rheinhessischen LandFrauen“, der Jahr für Jahr die Agrartage in Nieder-Olm eröffnet. „Nicht mehr wegzudenken“ ist diese Tradition für den Nieder-Olmer Stadtbürgermeister Dieter Kuhl. Der Land Frauen Verband Rheinhessen mit seinen Kreisverbänden Mainz und Bingen lädt ein, und stets folgt eine namhafte Redner-Riege aus Politik und Verbänden. Die Debatten zum Auftakt der mit 416 Ausstellern auf 11200 Quadratmetern und 13000 Besuchern größten jährlichen Agrarfachausstellung in Deutschland setzen Impulse.

Beispiel Eberhard Hartelt. „Große Bedenken“ habe man gehabt, als die neue Landesregierung die Zuständigkeiten für ökologische und konventionell wirtschaftende Betriebe auf zwei Ministerien verteilt hatte. „Es geht besser, als wir alle befürchtet haben“, lautet nun das Zwischenfazit des Präsidenten des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, „und das hat auch sehr viel mit Netzwerken zu tun.“ Dass diese weiterhin gefordert sind, hätten die Debatten um Tierwohl oder Biodiversität anlässlich der „Grünen Woche“ gezeigt. „Sachfremde Argumente“ hat Hartelt ausgemacht, Aufklärung seitens derjenigen, die sich im Praktischen auskennen, sei gefragt. Das populäre „Bauern-Bashing“ sei auch „höchst problematisch für die Attraktivität des Berufsstandes“.

Ursula Braunewell sieht es ähnlich. „Wir wenigen Bauern und Winzer dürfen uns nicht auch noch trennen lassen“, mahnte die Landesvorsitzende des Land Frauen Verbandes Rheinhessen, die zugleich mit Klischees aufräumt: Teuer und öko sei nicht automatisch besser, Großbetrieb nicht zwingend schlecht. „Unser Appell lautet regional und saisonal, was die Landfrauen schon immer propagieren.“ Nicht einmal jede zehnte Landfrau ist Bäuerin oder Winzerin. So komme im praktischen Verbandsalltag schon zwangsläufig ein offener Erzeuger-Verbraucher-Dialog zustande, „ohne dass wir dazu einladen“. Als „Schnittpunkt zwischen Erzeugern und Verbrauchern“ sieht Daniela Ruhe, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen LandFrauenverbandes, die tägliche Arbeit der LandFrauen. Gegen das „Bauern-Bashing“, da sind sich beide einig, müssten sich die LandFrauen erheben – allein schon, weil sie es besser wissen.

Für Laura Lahm macht es überhaupt keinen Unterschied mehr, ob man Jungwinzer oder Jungwinzerin ist. „Da wird nicht mehr geschaut, ob Mann oder Frau“, erzählt die Rheinhessische Weinkönigin, „die Frauen sind in unserer Branche mehr als anerkannt. Denn wir sind ja auch die kreativen Köpfe – ist ja klar.“ Den Grund für den anhaltenden Aufschwung, den die Weinbauregion erlebt, sieht die Ensheimerin in der „Verknüpfung von Tradition und Moderne“ durch die Jungwinzer: „Dabei spielt die Ausbildung im dualen System eine große Rolle.“ Denn dort würden auch praktisch die Lehren der vorangehenden Generationen vermittelt.

Ist die Jungwinzerin und vielmehr die Arbeitnehmerin generell dann irgendwann so weit, dass sie eine Familien gründen möchte, wird es allerdings kompliziert. „Die Herausforderung wird sein, Familie, Beruf und Ehrenamt unter einen Hut zu bekommen“, blickt Ursula Braunewell voraus. „Vollzeit zu arbeiten, wird von uns Frauen ja mittlerweile erwartet.“ Und der Deutsche LandFrauenverband als auch der Land Frauen Verband Rhh.  setzen sich, wie Daniela Ruhe unterstreicht, für den Sprung der Frauen raus aus der „Teilzeitfalle“ ein. Mehr Selbstbestimmung und mehr Wahlfreiheit ermöglichen lautet die Forderung an die Politik.

Dann bleibt auch Zeit für das Engagement bei den Landfrauen. „Das Ehrenamt ist unser Herzstück, das macht uns aus“, hält Ruhe fest. Und wie so viele Bereiche, steht auch das freiwillige Engagement vor den Herausforderungen der Digitalisierung. „Das Thema Ehrenamt 4.0 fällt durch das Raster aller Ressorts“, merkt Ruhe mit Blick auf die Bundespolitik an. Mit einem Positionspapier habe der Deutsche LandFrauenverband das Thema auf die politische Agenda gehievt. Dabei bietet das Netz große Chancen: „Stellen Sie sich mal die Schwarmintelligenz von 500000 Landfrauen vor, die alle vernetzt sind“, rief die Hauptgeschäftsführerin.

Allerdings brauche es dafür, auch im ländlichen Raum, die entsprechende Ausstattung. „Ohne Breitband ist alles nichts“, hält Ruhe fest. Leider sei die digitale Autobahn auf dem Land noch allzu oft ein digitaler Feldweg. „Glasfaser ist essenziell für die wirtschaftliche Entwicklung auf dem Land“, unterstreicht Hartelt. Allerdings brauche es, so Braunewell, auch ein „anderes Lebensarbeitszeitmodell“. Dazu gehöre auch die Anerkennung der Pflege. „Und es sind immer noch wenige Männer, die ihre Karriere unterbrechen, damit die Frau sie fortsetzen kann.“ Auch die Entgeltungleichheit der Löhne bei gleicher Arbeit zwischen Frauen und Männern monieren die Landfrauen. Und mit einer deutschlandweit an Mitgliedern starken Solidargemeinschaft habe man politisches Gewicht. „Viele Parteien haben deutlich weniger“, betont Ruhe, „wir werden sehr wohl gehört.“ Und das nicht nur an LandFrauentagen. „Wir alle sollten den Rat der Bundeskanzlerin ernst nehmen, die uns Landfrauen aufforderte unsere Forderungen gegenüber der Politik scharf und präzise zu formulieren“ appelliert die Bundesgeschäftsführerin abschließend.

Von allen Teilnehmern der hochkarätig besetzten Talkrunde und der Gastrednerin wurde das große Engagement der Landfrauenkreisvorstände Mainz und Bingen, diesen Tag der rheinhessischen LandFrauen jedes Jahr durchzuführen, gelobt und gewürdigt. Souverän moderierten die Kreisvorsitzenden Uta Schmitt und Gerlinde Gemünde durch das gelungene, moderne und top aktuelle Programm.

Für ihr langjähriges hervorragendes Arbeiten als Vorsitzende in ihren Ortsvereinen wurden mit der Ehrennadel des Land Frauen Verbandes Rheinhessen e.V. Silvia Enders (Mainz-Hechtsheim) sowie Gudrun Verch und Hildegard Schmidt (Mainz-Ebersheim) geehrt.  

Von Torben Schröder, Nieder-Olm 23.01.2017.

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